Samstag, 27. Februar 2016

spenden-industrie

einer der wachstumsmärkte in unserer gesellschaft ist der spendenmarkt. immer mehr organisationen wollen am spenden-kuchen mitnaschen. ein gewisser verdrängungswettbewerb ist feststellbar. der aufwand zumindest gleichbleibend hohe spendenvolumina zu erzielen, wird relativ immer größer. ohne professionelles fundraising und campaigning geht heute nichts mehr. der markt ist zudem sehr volatil. kommt es zu einem erdbeben, werden millionenbeträge von einem spendensegment abgezogen und in andere segmente umverteilt. nur mit stabilen kampagnen kann ein gewisser spendenfluss aufrechterhalten werden, um die infrastruktur diverser spenden-konzerne zu sichern.

besonders gut verkaufen sich kinder, tiere, katastrophen und angst. angst vor gift in der nahrung ist ein beliebter dauerbrenner. obwohl die tatsächliche giftigkeit von wirkstoffrückständen in der nahrung in den letzten 40 jahren spürbar zurückgegangen ist, wird uns immer noch suggeriert, dass alles so vergiftet sei wie noch nie. gezieltes campagning und permanente mediale gehirnwäsche machen das möglich.

die wirkliche lösung des problems, deren lösung man vorgibt, kann aber nicht das wirkliche ziel dieser vereine sein. wenn der welthunger bezwungen ist, braucht niemand mehr einen verein, der den welthunger bekämpft. ein solches worst-case-szenario wird von spendenverein konsequent vermieden.

manchmal wird auch mit begriffen getrickst. studien reden heute nicht mehr von hungernden, sondern von unter- und mangelernährten. nun die finden sich sogar in industrieländern. nicht nur fotomodels fallen in diese gruppe. dass hunger nur mehr ein problem ist, wo bürgerkrieg herrscht, religionskriege, korrupte diktatoren oder andere formen von terror, wird tunlichst verschwiegen. unter friedlichen verhältnissen schaffen es die menschen fast überall, sich ausreichend selbst zu versorgen.

professionelle spendensammler sind auch immer auf der suche nach neuen geldquellen. neben der einfachen spende werden daueraufträge angestrebt. eine besonders lukrative quelle scheinen erbschaften zu sein, die von mehr als 40 organisationen bearbeitet werden. eine nicht gerade gustiöse aktion lieferte eine tierschutzorganisation, die unter dem vorwand, ihre spender besser kennenzulernen, persönliche daten abfragte. wenn sie sich da als alleinstehend, 80 jahre alt und kinderlos outen, könnte es schon sein, dass ihnen ein freundlicher herr eine rechtsfreundliche beratung anbietet. notar inklusive.

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